#1 Geschichte von Tetris von Shocktherapy 18.11.2008 12:45

avatar

Bevor unsere angestaubte^^ NostalgieEcke ganz
in Vergessheit gerät, und das wäre äußerst Schade,
weil ich es für Interessant halte - wie die Videospiele
von Damals- bis heute entstanden sind....

Hier nun:


Die Geschichte von Tetris[/size]



Tetris (russisch: Тетрис) ist ein Computerspiel, bei dem
man nacheinander einzeln von oben herunterfallende,
stets aus vier Quadraten zusammengesetzte Formen
in einem rechteckigen Spielfeld in 90-Grad-Radien so
drehen und platzieren muss, dass sie am unteren Rand
horizontale, möglichst lückenlose Reihen bilden.

Sobald eine Reihe von Quadraten komplett ist, wird sie entfernt,
und alle darüber liegenden Reihen rücken nach unten und
geben damit einen Teil des Spielfeldes wieder frei.
Für das gleichzeitige Tilgen mehrerer Reihen erhält
der Spieler eine höhere Punktzahl pro Reihe als für
eine einzelne Reihe. Der Name des Spiels rührt von
dem griechischen Wort für vier, tetra, und bezeichnet
das gleichzeitige Tilgen von vier Reihen sowie die Zahl
der Quadrate pro Form.

Ein Spielstein schwebt in der Luft.

Die Steine verhalten sich dabei nicht physikalisch korrekt.
Die Formen bleiben in der Position liegen, in der sie landen,
statt eventuell physikalisch korrekt zu kippen.
Die nachrückenden Reihen füllen in vielen Versionen
keine vorher vorhandene Lücken auf. Auf diese Weise
können Steine das Vervollständigen darunterliegender
Reihen erschweren. Das Spiel endet, sobald sich die
nicht abgebauten Reihen bis zum oberen Spielfeldrand
aufgetürmt haben. Wenn eine bestimmte Gesamtzahl
an Reihen entfernt worden ist, wird die
Fall-Geschwindigkeit der Formen erhöht.

Das Spielprinzip lehnt sich an das „Brettspiel“ Pentamino an;
im Unterschied zu diesem besitzt Tetris jedoch
nur fünf statt zwölf Formen.



X-Versionen und Nachahmer

Tetris gilt inzwischen als Computerspiel-Klassiker und ist
wie kaum ein anderes Spiel in vielen Versionen und
Variationen für nahezu jedes System erschienen. Am
bekanntesten ist wahrscheinlich die (schwarz/weiße)
Version für die tragbare Spielekonsole Game Boy von
Nintendo, da die ersten Game Boys nur mit Tetris lieferbar
waren.

Unter anderem erschienen Tetris-Spiele auch von
den Herstellern Atari, THQ und Nintendo für verschiedene
stationäre Spielekonsolen. Tetris war inklusive Verweis
auf Alexei Paschitnow und Wadim Gerasimow im
ersten Microsoft Windows Entertainment Pack enthalten.
Die Windowsversion selbst ist von Dave Edson.
Auch Unix Desktop Environments wie GNOME
oder KDE enthalten Tetris-Klone. Sogar für
Editoren wie Emacs oder Vim gibt es
entsprechende Nachahmungen.

Tetris zählt zu
den von Fremdherstellern am meisten nachgeahmten
Computerspielen überhaupt
(allein für den Commodore 64 gibt es über
100 Varianten des Spiels, denn viele
Hobbyprogramierer erstellen selbst neue Versionen).



Idee und Erfolg im Ostblock


Der Russe Alexei Paschitnow, damals beim Computerzentrum
der sowjetischen Hauptstadt Moskau angestellt, kam im
Frühling 1985 auf die Idee, das Puzzlespiel Pentamino,
das er aus seiner Kindheit kannte und sehr mochte, in ein
Computerspiel umzusetzen.

Die erste Version, von Paschitnow auf seiner Electronica 60
entwickelt und noch ohne Sound und Farbe, war bald fertig
und zog nach und nach die ganze Belegschaft in ihren Bann.
Vadim Gerasimov portierte es kurze Zeit später auf einen
IBM-PC. Im Sommer 1985 entstand die erste Farbversion,
die Paschitnow dann auch nach außen weitergab.

Das Spiel wurde immer weiterkopiert und breitete
sich schnell in der Sowjetunion und danach im
ganzen Ostblock aus.


Erste Verkäufe im Westen


Ungarn war zu der Zeit recht erfolgreich mit dem Export
von Puzzlespielen und Computertechnologie, so dass
dort der Geschäftsmann Robert Stein von Andromeda
Software erstmalig auf Tetris aufmerksam wurde.



Seine Anfrage beim Computerzentrum wurde recht
emotionslos aufgenommen, da man dort Tetris wenig
ernst nahm. Steins Angebot beantwortete man aber mit
der Bekundung von Interesse. Da formlose Vereinbarungen
in der Softwareindustrie üblich waren, sah dieser die
Antwort als Zusage an. Er nahm Kontakt mit Mirrorsoft auf,
dem Softwareflügel der Maxwell Corporation, die 1986
ein großes britisches Medienimperium war.

Auch bei Mirrorsoft fand das Spiel großen Anklang.
Stein gelang zudem der Verkauf an Spectrum
HoloByte in Kalifornien.

Kampf um die Videospiellizenz


Als aber die erste Version auf dem Markt erschien, erhielt
Stein ein Telex von Elorg, einer in Moskau ansässigen
Staatsfirma, die für die zentrale Vermarktung von
sowjetischen Softwareprodukten zuständig war. Diese
erklärte ihm, dass die Rechte nie vergeben worden waren.
Stein gelang es aber bei einem Besuch in Moskau,
die Rechte für Personal Computer zu erhalten.

Der große Spielemarkt lag damals aber bei den
Spielekonsolen, so dass Mirrorsoft mit Atari Kontakt
aufnahm, eine Version für diese zu produzieren. Allerdings
war man sich nicht bewusst, dass man die Rechte für diese Gerätegattung gar nicht besaß.

Henk Rogers von Bullet
Proof Software entdeckte das Spiel bei einer Computermesse
auf dem Stand von Atari und brachte es nach Japan zu Nintendo,
wo man mit der Entwicklung einer eigenen Version begann
und sie verkaufte. Man wollte Tetris bei der Markteinführung
dem neu entwickelten Game Boy beilegen. Henk Rogers
sollte daher Nintendo schnell die Rechte sichern. Robert
Stein hatte diese schon mit Mirrorsoft weitgehend abgeklärt,
wollte Rogers aber als potenziellen Abnehmer für andere
Software bei der Stange halten.



Obwohl sich das Spiel erfolgreich verkaufte, blieben
die Lizenzzahlungen in der Verwertungskette hängen,
so dass Elorg nie die vereinbarten Zahlungen von
Andromeda Software erhielt. Nikolai Belikow untersuchte
bei Elorg im Auftrag der sowjetischen Regierung den Fall.
Die Angelegenheit wurde zunehmend ein Politikum,
da der Chef der Maxwell Corporation, Robert Maxwell,
einer der reichsten Männer der Welt war und gute
Kontakte zu Gorbatschow hatte.

Da nicht gezahlt wurde, blieben die weiteren Verhandlungen
stecken. Rogers fühlte sich von Stein hingehalten und flog
selbst nach Moskau. Auch Stein war in Moskau, und
Mirrorsoft hatte heimlich Kevin Maxwell, den Sohn von
Robert Maxwell, geschickt, um sich die Rechte zu sichern.
Während die beiden Termine bei Elorg hatten, erschien
Rogers unvorbereitet und unerwartet in Moskau.

So ergab es sich, dass alle drei am selben Tag bei Elorg
erschienen, wobei man allerdings vermied, dass sie
sich begegneten. Rogers war der erste und zeigte Belikow
die japanische Tetris-Version, die bei Atari und damit
indirekt bei Robert Stein lizenziert war. Es stellte sich
heraus, dass die Rechte hierfür gar nicht Stein vergeben
worden waren. Rogers war geschockt, offerierte aber
seine guten Kontakte mit Nintendo. Stein war der
zweite Besucher des Tages und hatte gehofft,
er könnte sich weitere Rechte an Tetris sichern,
sah sich dann aber wegen der Lizenzüberschreitungen
und ausbleibenden Zahlungen nur mit Vorwürfen
konfrontiert. Maxwell erschien als dritter und
brach die Verhandlungen schnell ab, da ihm
die Lizenzverstöße bis dahin unbekannt waren
und er zuerst Rücksprache halten musste.

Belikow gelang es durch eine geschickte Verhandlungstaktik,
die Rechte für Stein präzise auf bestimmte Geräte einzugrenzen,
ohne dass sich dieser dessen bewusst war - letztendlich
legte der neue Vertrag weitgehend die sowieso schon
abgeschlossenen Rechte fest. Rogers hatte sich derweil
mit Paschitnow angefreundet. Da Maxwell zudem
arrogant auftrat, entschied Elorg sich, die Handheld-
Rechte an Rogers zu vergeben. Bei Nintendo wollte
man sich auch die Konsolenrechte sichern und flog
heimlich nach Moskau und schloss dort einen Vertrag
mit Elorg ab, der einen Betrag von 500.000 US-Dollar
zuzüglich 0,50 US-Dollar pro Kopie festlegte.


Politischer Druck


Als man sich bei Maxwell bewusst wurde, dass man die
Rechte nicht erhalten hatte, war man wütend und drohte
am 23. März 1989 in einem Telex an Belikow, bei
Gorbatschow persönlich bei dessen Staatsbesuch in
Großbritannien Druck auszuüben. Belikow wurde auch
von sowjetischer Seite unter Druck gesetzt, aber da
die Situation sich durch die Perestroika verändert hatte,
waren die Auswirkungen für ihn nicht so fatal, wie sie
noch wenige Jahre zuvor hätten ausfallen können.


Desaster für Atari und Maxwell


Für Atari entwickelte sich die Angelegenheit zu einem
Desaster und wurde so zu einem der Gründe für den
Niedergang der Firma.

Man hatte schon Millionen in Entwicklung und Vermarktung
investiert, als Nintendo die Firma davon in Kenntnis setzte,
dass sie die Videospielrechte nicht hätten. Atari strengte
einen Prozess gegen Nintendo an, bei dem Belikow
als Zeuge aussagen sollte. Dieser wurde vor seinem
Abflug vor einen staatlichen Ausschuss zitiert, wo man
ihm drohte, ihn für alle Verluste verantwortlich zu
machen, die der Sowjetunion entstehen würden,
wenn Atari den Prozess gewänne.

Im November 1989 fiel die Entscheidung zugunsten
Nintendos. Atari musste Hunderttausende von
Spielmodulen in ihrem Lager vernichten.

Das unprofessionelle Vorgehen in dieser Sache
hatte aber auch noch weiterreichende Effekte,
besonders für die Maxwell Corporation:

Am 5. November 1991 verschwand Robert Maxwell von
seiner Yacht und wurde später tot im Wasser gefunden.
Es stellte sich heraus, dass die Firma hoch verschuldet war
und dass 414 Millionen Britische Pfund in ihren
Rentenfonds fehlten.




[size=150]Nintendos und Paschitnows größter Erfolg



Für Nintendo wurde Tetris ein großer Erfolg. Sie verkauften
acht Millionen Kopien für das Nintendo Entertainment System.
Der Game Boy wurde auch durch das im Lieferumfang
enthaltene Tetris zu einem Erfolg und verkaufte sich
insgesamt 17 Millionen mal.

Paschitnow erhielt allerdings nichts aus den gezahlten
Geldern und entschied sich 1991, in die USA auszuwandern
und in Seattle eine Firma aufzubauen. Seit 1996 arbeitet
er für Microsoft. Die ursprünglich vergebenen Rechte
liefen ebenfalls 1996 aus, so dass er ab dort auch Geld
für das von ihm entwickelte Spiel erhielt. Allerdings
machten die Gewinne zu diesem Zeitpunkt nur noch
einen Bruchteil der in den vorangegangenen Jahren
gezahlten Summen aus.





Weblinks

* Tetris.com, die offizielle Webseite des Rechtevermarkters The Tetris Company
http://www.tetris.com/
* Golem.de Interview mit Alexey Pajitnov
http://www.golem.de/0711/55975.html
* Stern.de über 20 Jahre Tetris
http://www.stern.de/computer-technik/com...uen/551005.html
* Freie Tetris-Downloads auf sourceforge.net (für verschiedene Systeme)
* Vadim Gerasimov: The Tetris Story
* BBC-Video über die Geschichte von Tetris
nicht mehr vorhanden

* Mathematische Studien zu Tetris (engl.)
http://arxiv.org/abs/cs.CC/0210020





#2 RE: Geschichte von Tetris von SirTosch 18.11.2008 22:38

avatar

Sehr schöner Bericht.1 A....jo, wurde Zeit
das hier im Archiv wieder was passiert
[allgemein1]

#3 RE: Geschichte von Tetris von Sarah AudiXmax 19.11.2008 07:47

avatar

ich finds auch wissenswert, wenn man bedenkt
das solche videospielanfänge früher kaum einer
ernst genommen hat.....heute zählen Spiele offiziell
zum KULTURGUT!
[allgemein10]

#4 RE: Geschichte von Tetris von Shocktherapy 21.11.2008 18:38

avatar

Gott sei dank, wird es wenigstens von einpaar Leuten
hier gelesen^^ [allgemein7]

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de
Datenschutz